10. JULI 2026·5 MIN READ
Kontraindikationen für Rebirthing Breathwork
Weil Rebirthing Breathwork intensive, kontinuierliche Hyperventilation beinhaltet — die die Blutchemie verändert, den intraabdominalen und intraokularen Druck erhöht und das Nervensystem tief aktiviert — ist es nicht für jeden geeignet. Um die Sicherheit und das körperliche Wohlbefinden der Teilnehmenden zu gewährleisten, ist es wichtig, die formalen Kontraindikationen vorher zu kennen.
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Was ist eine Kontraindikation?
Eine Kontraindikation ist ein medizinischer Zustand oder Faktor, der eine bestimmte Behandlung oder Praxis unratsam macht, weil sie Schaden verursachen könnte. Beim bewusst verbundenen Atmen bestehen diese Grenzen, weil die Technik gezielt physiologische Veränderungen hervorruft — darunter eine vorübergehende Verschiebung des pH-Werts (Alkalose), Blutdruckschwankungen und eine starke Ausschüttung von Adrenalin und Cortisol.
Sicherheitsübersicht auf einen Blick
| Kategorie | Absolute Kontraindikationen (Streng vermeiden) | Relative Kontraindikationen (Anpassung/Freigabe erforderlich) |
|---|---|---|
| Herz-Kreislauf | Schwerer/unkontrollierter Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall oder Aneurysma in der Vorgeschichte | Milder/kontrollierter Bluthochdruck, Angina, Herzrhythmusstörungen, verschreibungspflichtige Blutverdünner |
| Neurologisch & psychisch | Epilepsie/Krampfanfälle, bipolare Störung, Schizophrenie, akute Psychose, schwere unbehandelte PTBS, Borderline, aktive Intoxikation/Entzug | Panikstörung, akute Angstanfälle, eingestellte Angst, früheres Trauma mit hoher Containerfähigkeit, leichte/eingestellte Depression |
| Körperlich & Augen | Schwangerschaft (jedes Stadium), Glaukom, Netzhautablösung, kürzliche größere Operationen oder Frakturen | Mildes/kontrolliertes Asthma, schwere Osteoporose, Hiatushernie, schwere Bauchgeschwüre, kürzliche kleinere Operationen |
| Stoffwechsel & Blut | Sichelzell-Merkmal oder -Erkrankung | Schwere Nieren-/Nierenerkrankung, schwere Anämie |
Absolute Kontraindikationen
Bei den folgenden Zuständen muss Rebirthing Breathwork streng vermieden werden, sofern du keine ausdrückliche schriftliche Freigabe der für dich zuständigen Fachärztin oder des Facharztes vorweist. Selbst mit Freigabe wird die aktive verbundene Atemphase in der Regel durch einen stark modifizierten, sanften, nur durch die Nase geführten Rhythmus ersetzt.
1. Herz-Kreislauf-Erkrankungen:
- Schwere oder unkontrollierte Hypertonie (Bluthochdruck): Die aktive Atemphase kann den Blutdruck weiter erhöhen.
- Herzinfarkt, Schlaganfall oder Aneurysma in der persönlichen oder familiären Vorgeschichte: Der physiologische Stress und die Druckveränderungen durch hochventilierendes Atmen können Gefäße und Herz plötzlich belasten. Bei einem Aneurysma können hochdruckige Atemzyklen das Rupturrisiko erhöhen, bevor sonstige Symptome auftreten.
2. Neurologische & psychische Erkrankungen:
- Epilepsie oder Krampfanfälle in der Vorgeschichte: Hyperventilation verändert die elektrische Aktivität des Gehirns und kann direkt einen Anfall auslösen.
- Bipolare Störung, Schizophrenie oder akute Psychose: Breathwork verändert Bewusstseinszustände und umgeht den analytischen Verstand. Bei Menschen mit einer Vorgeschichte von Psychose oder starker Dissoziation kann dies die Psyche destabilisieren.
- Schwere, unbehandelte PTBS oder Borderline-Persönlichkeitsstörung: Breathwork ist zwar hervorragend zur Trauma-Lösung, akutes und unbehandeltes Trauma kann jedoch zu schwerer Retraumatisierung führen, wenn das Nervensystem überfordert wird, bevor es die Erfahrung enthalten kann.
- Aktive Intoxikation oder Entzug: Jüngster Alkohol- oder Drogenkonsum sowie schwere Entzugszustände destabilisieren sowohl das Nervensystem als auch die physiologische Ausgewogenheit und erhöhen das Risiko von Krampfanfällen, extremer emotionaler Dekompensation oder kardiodistress.
3. Körperliche, Augen- & Stoffwechsel-Erkrankungen:
- Schwangerschaft (in jedem Stadium): Tiefe somatische Atemarbeit setzt intensive hormonelle und emotionale Wellen frei, verändert die Blutsauerstoffsättigung und verursacht Kontraktionen der Bauchwand — was die Sicherheit des Fötus beeinträchtigen kann.
- Glaukom oder Netzhautablösung: Die intensiven Atemzyklen erhöhen den Augeninnendruck, was diese Zustände verschlimmern kann.
- Kürzliche Operationen oder Knochenbrüche: Jede kürzliche strukturelle Heilung (besonders im Rumpf, Bauch oder Kopf) braucht Zeit; die Mechanik des Atmens und mögliche Muskelkrämpfe (Tetanie) können Nähte oder Knochen belasten.
- Sichelzellanämie: Rebirthing Breathwork verschiebt den Blut-pH deutlich in Richtung Alkalose und verändert die Sauerstoffsättigungsdynamik. Bei Menschen mit Sichelzell-Merkmal oder -Erkrankung können diese physiologischen Verschiebungen und lokale Gewebshypoxie eine schmerzhafte Sichelzellkrise auslösen.
Relative Kontraindikationen / Erforderliche Anpassungen
Die folgenden Zustände schließen Breathwork nicht automatisch aus, erfordern aber ärztliche Freigabe, einen langsameren Rhythmus, kürzere aktive Phasen oder zusätzliche Containerung. Sage deiner Facilitatorin oder deinem Facilitator immer im Voraus Bescheid, damit die Session an dich angepasst werden kann.
1. Atemwege & Psychisches (mit Containerung):
- Schweres, mildes oder kontrolliertes Asthma: Breathwork kann die Atemkapazität langfristig verbessern, aber ein aktiver, schneller Rhythmus kann manchmal eine Panikreaktion oder einen hyperventilationsbedingten Asthmaanfall auslösen. Halte deinen Inhalator bereit und informiere deine Facilitatorin oder deinen Facilitator, damit der Rhythmus verlangsamt oder verkürzt werden kann.
- Panikstörung oder akute Angstanfälle: Während Breathwork oft dazu dient, milde Angst zu lindern, löst die Hypokapnie (Abfall des CO₂-Werts im Blut) durch Hyperventilation direkt die somatischen Symptome eines Angstanfalls aus (Kribbeln, Engegefühl in der Brust, Schwindel). Bei aktiver Panikstörung kann dies einen schweren Panikanfall auslösen anstatt therapeutische Loslassung.
- Eingestellte Angst oder früheres Trauma mit hoher Containerfähigkeit: Breathwork kann unterstützend sein, wenn das Nervensystem ausreichend Widerstandsfähigkeit hat und die Facilitatorin oder der Facilitator einen traumasensiblen, gehaltenen Raum bietet. Ein langsamerer, nasaler Rhythmus und häufige Check-ins werden oft verwendet.
- Leichte oder gut eingestellte Depression: Emotionale Loslassung kann heilsam sein, aber die Intensität sollte behutsam dosiert werden, um Überforderung zu vermeiden.
2. Herz-Kreislauf, Stoffwechsel & Medikamente:
- Angina, Herzrhythmusstörungen oder kontrollierter Bluthochdruck: Veränderte Sauerstoff-/Kohlendioxidwerte können unregelmäßige Herzrhythmen auslösen oder verstärken. Ein langsamerer Rhythmus und kürzere aktive Phasen sind meist angemessen; achte auf dein Empfinden und stoppe, wenn der Druck steigt.
- Einnahme verschreibungspflichtiger Blutverdünner: Tiefes, langes Atmen in Kombination mit Tetanie, Muskelkrämpfen oder tiefer emotionaler Loslassung kann gelegentlich zu tiefem Gewebeblutungen oder Mikrotraumen führen. Antikoagulantien erhöhen das Risiko von inneren Blutergüssen oder Blutungen unter starker somatischer Belastung. Ärztliche Freigabe und ein sanfterer Rhythmus werden empfohlen.
- Schwere Nieren-/Nierenerkrankung: Hyperventilationsbedingte respiratorische Alkalose verändert den Elektrolythaushalt (Kalzium, Kalium, Magnesium) und belastet die renalen Kompensationsmechanismen. Eine ärztliche Begleitung wird dringend empfohlen.
3. Strukturelle & somatische Zustände:
- Schwere Osteoporose: Die unwillkürlichen Muskelkontraktionen (Tetanie) und intensiven körperlichen Bewegungen während einer Rebirthing-Session belasten das Skelett ungewöhnlich stark und bergen die Gefahr von Knochenbrüchen. Ein modifizierter, niedrigintensiver Ansatz ist erforderlich.
- Hiatushernie oder schwere Bauchgeschwüre: Tiefes, kontinuierliches Zwerchfell-Pumpen erzeugt einen erheblichen intraabdominalen Druck, der strukturelle Hernien oder aktive gastrointestinale Läsionen verschlimmern kann. Ärztliche Freigabe und ein sanfterer, zwerchfell-sensibler Rhythmus sind nötig.
- Kürzliche kleinere Operationen oder Weichteilverletzungen: Im Gegensatz zu kürzlichen größeren Operationen (absolut) kann ältere oder kleinere Heilung meist durch Vermeidung von Belastung und Positionsanpassung berücksichtigt werden.
Setze Transparenz immer an erste Stelle
Deiner Facilitatorin oder deinem Facilitator gegenüber vollkommen ehrlich über deine medizinische Vorgeschichte zu sein, ist keine Einschränkung — es schafft eine Grundlage von Sicherheit, damit dein Körper wirklich entspannen, dem Prozess vertrauen und heilen kann.